Die Vielfalt des Lebens

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„Baum des Lebens“ komplett: 2,2 Millionen Spezies auf einen Blick

Seit neun Jahren arbeiten britische Forscher an einer Visualisierung der Beziehung aller gegenwärtigen Spezies zueinander. Nun ist ihr „Tree of Life“ fertig.

Anstatt aber ehrfurchtsvoll und mit Respekt vor dem Wunder des LEbens zu stehen und es zu schützen versuchen, beuten wir alles weiterhin gnadenlos aus, mit Stumpf und Stiel. NICHTS soll mehr wachsen, nur noch was Gewinn und Geld bringt ! Wie krank sind wir gierigen Industriemenschen eigentlich?

20.12.2021, von Martin Holland

Ein vor mehr als neun Jahren vorgestellter online abrufbarer „Baum des Lebens“ umfasst nun mehr als 2,2 Millionen auf der Erde lebende – beziehungsweise erst vor Kurzem ausgestorbene – Spezies und ist damit „komplett“. Der interaktive Überblick ist unter OneZoom.org einsehbar und kann stufenlos vergrößert werden. Zu erkunden sind auf einem scheinbar endlosen Baum alle bekannten Arten von Lebewesen und ihr Verhältnis zueinander, also etwa, wann der letzte gemeinsame Vorfahr gelebt hat. Die für das Projekt verantwortlichen Biologen sprechen vom „Google Earth der Biologie“. Für 85.000 Spezies ist in dem Projekt ein Bild hinterlegt, für viele ist außerdem angegeben, wie gefährdet sie sind.

Auf dem schier endlosen Baum unter OneZoom.org werden alle bekannten Spezies durch ein Blatt symbolisiert. Das ist grün, wenn die Art nicht gefährdet ist, rot steht für gefährdet und schwarz für „kürzlich ausgestorben“. Die meisten der Blätter sind jedoch grau, weil es keine Einstufung gibt. Der „Tree of Life“ kann einfach per Zoom und Klick (beziehungsweise mobil per Touch) erkundet werden, es gibt aber auch ein Suchfeld, um direkt zu einer bestimmten Spezies zu springen. Dabei wird standardmäßig die Browser-Sprache benutzt, es werden also auch deutsche Namen erkannt. Zusätzlich können auch mehrere Arten gesucht und deren Verbindung angezeigt werden. So erfährt man etwa, dass der letzte gemeinsame Vorfahr der Menschen und der Stiel-Eiche vor 2,15 Milliarden Jahre gelebt haben. Unser Urahn mit den Löwen war dagegen vor 85 Millionen Jahren Zeitgenosse der Dinosaurier.

Für die Fertigstellung des seit 2012 verfügbaren Projekts – damals lediglich mit 5000 Säugetierarten – haben James Rosindell vom Imperial College London und Yan Wong von der Universität Oxford neue Algorithmen entwickelt und Big Data aus verschiedenen Quellen einbezogen. All das per Hand zusammenzutragen, wäre unmöglich gewesen, erklären sie. Das Ergebnis zeige nun unter anderem auch, wie viel „noch zu tun ist“, meint Wong. Einbezogen haben sie auch eine Angabe zur „Popularität“ einzelner Spezies auf der englischsprachigen Wikipedia, also welche Seiten dort am häufigsten angesehen wurden. Unter den Säugetieren ist demnach der Mensch – wenig überraschend – ganz vorne, immer wieder sei er aber vom Wolf, der Spezies, zu der auch Hunde gehören, verdrängt worden. Für die Hauskatze reichte es dagegen nur zu Platz 12. Bei den Pflanzen führt demnach Hanf vor dem Gemüsekohl.

Die beiden Forscher hoffen nun, dass der fertige Baum des Lebens etwa in Museen oder Zoos einbezogen wird, um die immense Vielfalt des Lebens auch dort zu visualisieren, wo die Artenvielfalt zumindest in Teilen direkt vorgestellt wird. Mit einer eigenen Stiftung wollen sie außerdem die Öffentlichkeit über Evolution, Biodiversität und den Artenschutz informieren. Zur finanziellen Unterstützung können die einzelnen Blätter „adoptiert“ werden. Den aktuellen Stand des Projekts haben sie im Fachmagazin Methods in Ecology and Evolution vorgestellt.

Grün kaputt ? Natur sorgt für Glücksgefühle

Natur macht glücklich – je wilder sie ist, desto besser gefällt sie uns. Die biologische Vielfalt steigert unser Wohlbefinden und unsere Lebensqualität. Dies zeigt die Naturbewusstseinsstudie 2019.

Komisch nur, dass dies bis zu einigen Gartenbesitzern noch nicht durchgedrungen ist. Wie sonst erklärt sich der katastrophale Trend zu mehr Stein-Wüsten in den deutschen Vorgärten, angefeuert durch die aggressive Steinindustrie und die Baumärkte, denen es wieder mal nur um Umsatz und Geldvermehrung geht?

Die Freiheit mit jedem Mist Geld zu verdienen und damit die Natur und die eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören, muss endlich beschränkt werden!

Der Film „Grün kaputt“ von Dieter Wieland von 1983 ist aktueller denn je und die Konsumbürger und Gartenbesitzer in Deutschland sind fauler und dümmer genauso als vor 4o Jahren! Nichts gelernt!

Schaut euch doch mal bei euch im eigenen Garten oder bei euren Nachbarn um! Alles sauber geleckt, nur kein Laub liegenlassen, was so wichtig wäre für die Humusbildung! Und mit dem Rasenmäher und -Trimmer über die letzten aufsässigen Grashalme und Pflanzen hinterher!

Alles ausrotten und begradigen, was nicht ins Schema der Konsumzombies und Baumärkte passt!

Natur ? – bloß nicht bei mir! Igitt! Dieser Hass auf Bäume, Sträucher, Natur ist so extrem geworden, dass man mit Recht sagen kann, wir sind krank, krank vor Geldgier und von uns und unser eigenen Natur entfremdet!

Therapie? Nicht in Sicht! Oder geht ihr zu euren Nachbarn und zeigt ihm den Film „Grün kaputt“ ?

Wie wichtig die Natur für uns selbst ist, haben wir Konsumbürger anscheinend verdrängt. Wie kann man diese Verdrängung wieder ins Bewußtsein bringen? Informationen wären ein Anfang.

https://www.bundesforste.at/uploads/publikationen/WasserWege_Gesundheit.

Fleischesser verfressen ihre eigenen Lebensgrundlagen

Immer mehr Wälder, vor allem in Brasilien und Südamerika werden wegen der Massentierhaltung und dem hohen Wurst- und Fleischkonsum der Konsumenten in den Industrieländern, abgeholzt, zerstört, ausgebeutet. Wo vorher eine Vielfalt an Leben herschte, gibt es jetzt nur noch kilometerlange Monokulturen von Soja, welches die Menschen nicht selbst essen, sondern vorwiegend den Nutztieren verfüttert wird!

Welch Verschwendung, die nur weiteren Hunger in der Welt schafft!

Eigentlich müsste der brasilianische Präsident sofort vor den Internationalen Menschrechtsgerichtshof gestellt werden, weil er die „Grüne Lunge“ der Menschheit wegen kurzfristiger Geldvermehrung und den Profiten seiner Agramafia, an denen er und seine Amigos kräftig verdienen, zerstören lässt!

Könnte man den Typen mal bitte seines Postens entheben und absetzen? Das Militär entmachtet doch auch anderswo die Regierung, wie z.B. in Myanmar. Wer entmachtet solche gefährliche Präsidenten wie Bolsonaro?

Diese Person ist ein egozentrischer Zerstörer allen Lebens, auch seines Volkes, weil nur die Großgrundbesitzer und die Agrarmafia von der Ausbeutung finanziell profitieren!

Denn wenn ein Großteil der Sojabohnen als Futter für Tiere ihren Einsatz finden, sind Fleisch- und Milchprodukte, sowie deren Konsumenten, also WIR, mitschuldig an der Zerstörung des brasilianischen Regenwalds. Zwischen 1990 bis 2013 ist der globale Fleischverbrauch laut dem Bundesamt für Statistik um 29 Prozent gestiegen. 76 Kilogramm Fleisch isst ein Deutscher pro Jahr, auch wenn der Konsum von Wurst in den letzten Jahren in Deutschland etwas zurückgegangen ist. Hülsenfrüchte, zu denen auch Sojabohnen zählen, verbraucht ein Mensch hierzulande im Schnitt jährlich 1,3 Kilo.

Untermauert wird das von einer aktuellen Studie des Umweltbundesamtes. Fleisch schneidet in der Klimabilanz am schlechtesten ab. Das Umweltbundesamt rechnet vor, dass bei der Produktion eines Kilos Fleischersatzes auf Sojabasis 2,8 Kilogramm Treibhausgase ausgestoßen werden – für ein Kilo Rindfleisch dagegen 30,5 Kilo.

Also auch Unternehmen und Verbraucher in Deutschland tragen eine Mitschuld an der Entwaldung. „Für den Anbau von Futtermittelsoja, Kakao und Rindfleisch, das in die EU importiert wird, wird oft Wald vernichtet. „Statt nur mit dem Finger auf Regierungen und Landwirte in Entwaldungshotspots zu zeigen, müssen wir uns ebenfalls an die eigene Nase fassen“, sagte die Programmleiterin Wald beim WWF Deutschland, Susanne Winter.

Doch die Konsumenten checken nicht mal die einfachsten Zusammenhänge und verdrängen ihr eigenes zerstörerisches Denken und Verhalten. Als ob es in Deutschland ein „Lebensrecht“ auf Wurst gäbe ! Schon mal an die eigene Gesundheit gedacht? Wie kann man nur so verantwortungslos auch für sich dahin konsumieren, alles verdrängen und auf die Menschen einen Hass haben, die die Zusammenhänge aufdecken ?

Wir tragen also eine Mitschuld! Lassen wir die Gammelwurst und das Fleisch im Supermarktregal liegen! Oder wollen wir unsere eigene Zukunft und vor allem die unserer Kinder verfressen?

Noch nicht gecheckt? Die Ressourcen auf unserer Erde sind begrenzt! Also hilft nur ein Ende der Verschwendung und der Dekadenz. Und es ist dekadent und sehr ineffizient, wertwolle Nahrungsmittel, wie Hülsenfrüchte, nicht selbst zu essen, sondern die Nutztiere damit zu mästen!

Selbstverständlich müsste eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten, Gewohnheiten also, die sich seit etwa 60 Jahren im Gehirn der Industriebürger und Konsumenten verfestigt hat, auch durch aggressive Werbung der Ernährungs-, Fleisch-, Agrarindustrie, durch die Politiker flankierend unterstützt werden, z.B. über den Preis und die Steuern.

Denn wenn gesunde und umweltverträgliche Nahrungsmittel deutlich billiger sind, werden sich auch die Verbraucher umstellen! Preis schlägt Gewohnheit!

Informationen, Wissen und Vernunft reichen zwar nicht allein, um bei der Masse die Gewohnheiten zu verändern! Förderlich aber wäre schon, wenn der Verbrauch der Ressourcen und die Verursachung von Abgasen, z.B. CO2 und und andere Schäden und Gifte durch ein Produkt, direkt auf der Verpackung der Nahrungsmittel und anderer Produkte im Supermarkt stehen würde!

Eine weitere Studie der University of Oxford zeigt, dass eine vegane Ernährung den ökologischen Fußabdruck um bis zu 73 % reduziert, – also kann jeder Einzelne als Konsument deutlich selbst dazu beitragen, ob man die eigenen Lebensgrundlagen zerstört, oder nicht.

Und das mit nur EINER einzigen Verhaltensänderung!

https://vegconomist.de/studien-und-zahlen/studie-zeigt-vegane-ernaehrung-reduziert-co2-fussabdruck-um-73/

Naturflächen sind wervoller !

Wieviele Studien braucht es noch?

Naturflächen, von der Ausbeutung des Menschen geschützt, sind auch wirtschaftlich deutlich wertvoller als diese Flächen zu zerstören und mit Soja, Rinder, Palmöl, Bananen, Kaffee, Kautschuk oder sonstiges auszubeuten!

Urwälder in der Größe von 22 Fußballfeldern werden jede Minute vor allem in Brasilien unter dem evangelikalen Präsidenten Bolsonara und seiner Agrarmafia abgholzt und die unvorstellbare Artenvielfalt, aus denen wir auch die Grundlagen für unsere Medikamente holen, ist für immer verloren!

https://www.rnd.de/wissen/studie-drastische-zerstorung-von-naturflachen-in-sudamerika-RCSKJOLAENDOPHUN2ZYMM2HY6I.html

Agrar-Industrie

Donnerstag, 3sat, 20.15 Uhr und Mediathek

In unserer auf Massenerträge ausgelegten Agrarwirtschaft wird der Boden nicht nur beackert, sondern auch ausgelaugt. So wirken Überdüngung und Pestizide auf die Umwelt und den Menschen absolut schädlich und giftig!

Die Böden sind im Dauerstress und damit die Mikroorganismen, die die Fruchtbarkeit der Böden ausmachen. Fruchtbare Äcker sind ein sehr kostbares Gut – und lebenswichtig für unsere Ernährung. Der jahrzehntelange Einsatz von Chemie ist katastrophal. Pestizide sorgen für Artensterben, kontaminieren Böden und töten Mikroorganismen ab, die wichtig sind für den gesunden Humusaufbau. Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen und zerstören mit dieser Art von Nahrungsmittelproduktion, die auf Geldvermehrung setzt, unsere eigenen Lebensgrundlagen.

Glyphosat, Neonicotinoide, Organophosphate, Pyrethroide: Das sind nur einige von etwa 1000 zugelassenen Pflanzenschutzmitteln in Deutschland. Mit ihnen werden in der Landwirtschaft Schädlinge, Pilze und Wildkräuter vernichtet. Rund 90 000 Tonnen Pestizide kommen pro Jahr zum Einsatz. Ein Milliardengeschäft für Chemieunternehmen.

„Neonicotinoide werden durch den Regen in den Boden ausgewaschen. Dort wirken sie hochtoxisch auf viele Organismen … vergiften die Insekten und die Umwelt“, so der Toxikologe Henk Tennekes. Seit Langem stehen Nervengifte aus der Gruppe der Neonicotinoide im Verdacht, weltweit für ein enormes Bienensterben verantwortlich zu sein. Erst 2021, nach fast 30 Jahren, werden die letzten Neonicotinoide EU-weit verboten, obwohl schon früh Studien vor deren Einsatz warnten.

Für eine Entwarnung oder ein Aufatmen ist es jedoch zu früh. Zum einen gibt es sogenannte Notfallzulassungen für Neonicotinoide, die das Verbot umgehen. Zum anderen sind ähnlich wirkende Stoffe, deren Auswirkungen aber längst nicht so gut untersucht sind wie bei den Neonicotinoiden, schon längst auf dem Markt. Und: In vielen Ländern außerhalb der EU sind die Pflanzenschutzmittel immer noch erlaubt.

Fast 40 Prozent des EU-Budgets gehen in die Landwirtschaft. Die Gemeinsame Agrarpolitik wurde im Oktober 2020 für sieben Jahre neu verhandelt. Eigentlich sollten die durchschnittlich etwa 50 Milliarden Euro Agrarhilfen pro Jahr auch eine umwelt- und klimaschonende Anbauweise fördern. Doch die nun verabschiedete Reform gibt kaum Anlass zu Optimismus. Film von Berndt Welz.

https://www.3sat.de/wissen/wissenschaftsdoku/210408-boedenburnout-wido-100.html

Mehrfach Krisen

Der Klimawandel, das Artensterben und tödliche Viren bilden ein gefährliches Dreigespann. Eines, das sich der Mensch selbst zuzuschreiben hat. Eines, für das er eine Lösung braucht. Ansonsten sind stinkende Wälder und Bestäubung von Menschenhand bald an der Tagesordnung.

„Corona ist nichts gegen das, was noch wartet“, hat Josef Settele im vergangenen Dezember in einem Gastbeitrag auf ntv.de geschrieben. „Die nächste Pandemie wird kommen“, sagt der Biologe und Naturschutzforscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung voraus. „Und sie wird weitaus tödlicher als die Corona-Welle sein.“

Denn Klimawandel, Artensterben und tödliche Krankheiten befeuern sich wechselseitig, wie er in seinem Buch „Die Triple-Krise“ schreibt. Wir holzen Wälder ab und entfernen dadurch die natürliche Barriere zu Tieren, die gefährliche Viren für uns Menschen in sich tragen. Aber wieso steigt die Gefahr von Pandemien, wenn Arten aussterben? Wenn Millionen von Tierarten von der Erdoberfläche verschwinden, müssten die Gefahren dann – zynisch betrachtet – nicht weniger werden?

Meistens ist das Gegenteil der Fall. „Wir löschen meist die aus, die systemrelvant sind und verstärken das Problem.“ Im Prinzip ist alles systemrelevant, weil es auf der Erde ein jahrmilliardenaltes Netz des Lebens in Vielfalt gibt, was wir in wenigen Jahrhunderten zerstören!

Insekten sind systemrelevant

Der Mensch ist der Architekt seines eigenen Untergangs. Das Horrorszenario, das Josef Settele in seinem Buch beschreibt, sieht so aus: Schon in knapp 20 Jahren sind viele Wälder für Besucher gesperrt, weil Äste von toten Bäumen herunterfallen und sich darin Tiere aufhalten, die gefährliche Viren in sich tragen. Und die wenigen Wälder, die man noch betreten darf, sind verstörend still, denn Vögel hört man nicht mehr. Sie haben den Wald auf der Suche nach Futter verlassen, wenn sie nicht schon ausgestorben sind. Dafür stinkt es neuerdings erschreckend unangenehm, weil der Wald zu einem Sammelbecken für Kot und verendete Kadaver geworden ist.

Die Ursache ist in allen Fällen gleich. Für etwa eine Million Tier- und Pflanzenarten könnte in den nächsten zwei bis fünf Jahrzehnten das Aus kommen. Fast die Hälfte davon sind Insekten, denen zu Unrecht durch Mücken und Fliegen ein notorisch schlechtes Image anhaftet. Denn sie bestäuben nicht nur Pflanzen, sondern vernichten auch Kot und Kadaver und dienen den Vögeln als Futter. Leider sind sie nicht so süß wie Pandabären, deshalb werden sie „gravierend unterschätzt in ihrer Wichtigkeit“, wie es Insektenforscher Settele formuliert. Sie sind das tierische Äquivalent der systemrelevanten Arbeitskräfte.

„Etwa die Hälfte der Arten geht verloren“

Insekten sind die artenreichste Tierklasse. Weltweit sind eine Million Arten bekannt, in Deutschland leben etwa 30.000. Nicht nur Mücken und Fliegen, sondern auch Ameisen, Bienen, Heuschrecken, Käfer, Schaben, Schmetterlinge und Wespen. Aber gerade die Bestände der Fluginsekten gehen zurück, auch wenn niemand in absoluten Zahlen sagen kann, wie viele betroffen sind. Dafür gibt es viel zu viele.

„Durchschnittsbürger erkennen, ob ein Schmetterling bläulich ist, aber nicht, ob er zu dieser oder jener der 50 bläulichen Falter-Arten gehört“, umschreibt der Insektenforscher das Problem. „Von den Wildbienen gibt es 300 bis 400 unterschiedliche Arten in Deutschland. Von denen stehen 40 bis 50 Prozent auf der Roten Liste und kommen dem Aussterben näher. Ähnlich ist es bei Schmetterlingen. Bei vielen Gruppen geht etwa die Hälfte der Arten verloren.“

Dass Insekten aussterben, weiß man vor allem aus jahrelangen Beobachtungen. Über die Jahre ist durch die mühevolle Arbeit freiwilliger Insektenfreunde aufgefallen, dass es bestimmte Arten heute nicht mehr gibt, die vor fünf Jahrzehnten noch in heimischen Wäldern und Wiesen anzutreffen waren. Bahnbrechend war die Veröffentlichung der „Krefelder Studie“ vor vier Jahren. Darin hat der Entomologische Verein Krefeld über einen Zeitraum von 27 Jahren hinweg die Zahl der Fluginsekten in seiner Region erfasst. Die Entwicklung ist niederschmetternd: Von 1989 bis 2016 konnte ein Rückgang von 76 Prozent der Biomasse nachgewiesen werden.

„Fluginsekten sind indirekt für rund ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion verantwortlich“, sagt Josef Settele. „Auch an der Herstellung von Fasern, Medikamenten, Biokraftstoffen und Baumaterialien haben sie großen Anteil.“ Oder auch nicht, wie ein Beispiel aus der Sichuan-Provinz zeigt, dem größten Obstanbaugebiet Chinas.

„In gewissen Tälern gibt es keine Bestäuber mehr“, erzählt der Biologe. „Dort ist seitdem der Mensch gefragt: Wenn wir Obst anbauen wollen, müssen wir eben von Hand rangehen, um den Verlust der Insekten auszugleichen. Aber der Mensch ist kein Experte auf dem Gebiet, er ist ein Stümper.“

„Der Mensch bringt alles durcheinander“

In China war eine unbedachte Anweisung des Großen Vorsitzenden Mao Tse-tung für das Insektensterben verantwortlich. Mao hatte es 1958 eigentlich auf den allgegenwärtigen Spatzen abgesehen, weil der sich an der Getreideernte bediente. Wenige Jahre später war der kleine Vogel erfolgreich ausgerottet, mit ihm aber auch der natürliche Fressfeind gefräßiger Insekten, die sich an seiner statt über die Ernte hermachten. Es kam zum flächendeckenden Einsatz von Insektiziden, der die Bienen in die Flucht trieb. Eine fatale Entscheidung hat den Anbau im größten Obstanbaugebiet Chinas nahezu unmöglich gemacht.

Ein kostspieliger Fehler. Aber schiefgehen kann es selbst dann, wenn man versucht, es richtigzumachen. Wie in Neuseeland, einem weltweiten Naturschutz-Vorbild, in dem trotz aller Bemühungen derzeit 4000 heimische Arten bedroht sind. Der Grund ist der Mensch, seine urbane Ausbreitung, sein Hang zum Roden, seine Gier und vor allem seine monotone, industrielle Landwirtschaft.

In Neuseeland floriert vor allem die Milchwirtschaft. Seit 1994 hat sich die Zahl der Milchkühe auf beinahe sieben Millionen verdoppelt. Das Geschäft boomt, mehr als 130 Länder beziehen ihre Milch aus der Fünf-Millionen-Einwohner-Nation. 95 Prozent der Erzeugnisse gehen ins Ausland und kurbeln die heimische Wirtschaft an. Klima, Boden und Wasser sind perfekt dafür geeignet, schreibt der Verband der neuseeländischen Milchindustrie auf seiner Webseite. Wie lange wohl noch?

Mehr Kühe, mehr Geld, mehr Umweltschäden

Kühe produzieren Unmengen an Gülle, Dung und Methan. Ihr Haltungsmonopol macht den Boden unfruchtbar. Damit auf neuseeländischen Wiesen überhaupt noch irgendetwas zum Verzehren und Ernähren der Milchmaschinen wächst, setzen die Bauern großflächig synthetischen Dünger ein und vergiften so peu à peu ihre einst fruchtbaren Böden, zerstören erst die Pflanzen und dann die Tierwelt. Schritt für Schritt weicht die wundervolle neuseeländische Natur und mit ihr weichen die Insekten. Der Mensch betreibt „ökologischen Wahnsinn“, wie es Josef Settele nennt, und nimmt sich damit seine eigene Lebensgrundlage.

Es gibt leichtere Fragen als die, wie man diese Entwicklung stoppen kann. „Am Ende des Tages muss das rentable Rind weniger rentabel werden“, konstatiert der Biologe. „Das heißt, die Folgekosten, die der Staat normalerweise trägt, müssen sich im Produkt wiederfinden, damit die Allgemeinheit nicht darauf sitzen bleibt.“

https://audionow.de/podcast/a3741fe1-2cd6-402e-89eb-d0effa921c71

Fast Meat

Billiges Industrie-Fleisch

Die Deutschen kaufen gerne billiges Fleisch – selten haben sie weniger Geld für Lebensmittel ausgegeben. Für viele sind die kleinen Lebensmittelpreise Grundlage ihres Wohlstandes. Der Verzehr von Fleisch gilt als ein Zeichen von Reichtum. Rund 60 Kilogramm Fleisch verschlingen deutsche Verbraucher*innen im Durchschnitt pro Jahr. An Ostern und Weihnachten besonders beliebt: Rindfleisch aus Südamerika. Das günstige Stück Filet wird zugleich mit dem Image von besonders umweltfreundlicher Produktion beworben. Denn im Gegensatz zur europäischen Rinderhaltung stehen auf den weiten Wiesen Brasiliens die Rinder ganzjährig auf der Weide. Auch politisch ist der Import von Rindfleisch aus Südamerika gewünscht: Das Handelsabkommen Mercosur wird seit 20 Jahren verhandelt und wurde während der portugiesischen EU-Ratspräsidentschaft unter „Dach und Fach gebracht“.

Was aber bedeutet die Produktion für heimische Landwirtinnen und Landwirte? „betrifft“-Reporter ist zu Gast bei Kurt Meyer, einem Landwirt in Niedersachen, der rund 1000 Rinder hält und für den konventionellen Markt produziert. In den vergangenen Jahren musste er beobachten, wie immer mehr Landwirtinnen und Landwirte in der Umgebung aufgegeben haben und ihre Höfe verkaufen mussten. Auch für ihn werden die Arbeitsbedingungen seit Jahren immer schlechter. Seit er sich freiwillig für eine artgerechte Tierhaltung einsetzt und seine Rinder auf Stroh hält, gerät sein Hof in eine wirtschaftliche Schieflage, denn der Preis, zu dem er verkaufen kann, bleibt bei steigenden Kosten unverändert. MARKT eben!

Um zu verstehen, unter welchen Bedingungen Rindfleisch in Südamerika produziert wird, fahren „betrifft“-Autorin Tatjana Mischke und Valentin Thurn nach Brasilien. Das Land, in dem mehr Rinder als Menschen leben, ist einer der größten Fleisch-Produzenten auf dem internationalen Markt. Grundlage für den Erfolg ist billiges Weideland. Aber während für die Bäuerinnen und Bauern in der EU strenge Umweltstandards gelten, wird in Brasilien nach wie vor billiges Fleisch auf Kosten von Menschen, Tieren und unserer Umwelt erzeugt.

Entgegen der bestehenden Umweltgesetze werden Regenwald abgebrannt und wertvolle Feuchtgebiete zerstört. In dem Pantanal, dem größten Feuchtgebiet weltweit, begleiten „betrifft“ Wissenschaftler, die nach den verheerenden Bränden in der vergangenen Saison, die toten Tiere zählen.

Es werden auch Kleinbäuerinnen und Kleinbauern vertrieben, um auf dem abgebrannten Land Rinder zu halten oder Soja anzubauen. Oder ihnen mit Gewalt das Land abgenommen! Wissenschaftler*innen, Ärzt/innen, sowie Menschenrechtler*innen berichten von ihrer alltäglichen Auseinandersetzung mit Brasiliens größtem Industriezweig: Der Agrarindustrie.

Präsident Bolsonaro verhökert damit die Lunge des Planeten unserer Lebensgrundlagen, wieder nur wegen Geldwachstum, der nicht beim Volk ankommt, sondern nur ihm und seinem Mafia-Clan reicher und mächtiger macht! Und dann spielt er noch den evangelikalen Super-Christen und die Masse fällt darauf herein, wenn er von Jesus redet und gleichzeitig ihre Lebensgrundlagen und sein Volk immer stärker ausbeutet!